Druckarten, -techniken und -verfahren
Unter dem Begriff Drucktechnik werden alle Verfahren zur Vervielfältigung von
Druckvorlagen (wie Buch-, Offset- Tief-, Flexo-, Sieb- und Digitaldruck) zusammen-
gefasst. Bei diesen Drucktechniken werden unterschiedliche Verfahren angewandt,
um Farben schnell auf einen Druckträger zu übertragen.
Grundlagen der Drucktechnik
Drucken ist die Wiedergabe einer textlichen, respektive bildlichen Darstellung
in beliebiger Anzahl durch Übertragung von Druckfarben bzw. färbenden
Substanzen auf den Bedruckstoff mittels einer Druckform.
Die Vorbereitung erfolgt in der Druckvorstufe. Die Reproduktionstechnik befasst
sich mit der Wiedergabe von Bildern und Texten und erstellt Druckformen für
die verschiedenen Druckverfahren. Bilder werden in genormten Druckfarben
Cyan (blaugrün), Magenta (rot), Yellow (gelb) und Key (Farbtiefe schwarz)
CMYK möglichst originalgetreu wiedergegeben. In einem Maschinenlauf können
diese Farben nacheinander gedruckt werden. Beim Druck von Schmuckfarben,
beispielsweise Verpackungsdruck, werden fertig gemischte Druckfarben eingesetzt.
Moderne Druckmaschinen im Offset- und Tiefdruck übertragen die Druckfarbe von
einem Druckzylinder auf Bögen oder Bahnen des Bedruckstoffes. Druckmaschinen
im Bahnendruck, wie der Rollenoffset- und der Rotationstiefdruck, können
Geschwindigkeiten von 600 bis 900 Metern pro Minute erreichen. Die Maschinen
Im Bogendruck sind allgemein langsamer, können aber auch Bogen aus Karton,
Blech und Kunststoff bedrucken.
Die Druckprinzipien
Es wird zwischen drei Druckprinzipien unterschieden :
Hier handelt es sich um das älteste Verfahren und ist typisch für den
Buchdruck. Bei diesem Prinzip wird der Bedruckstoff von einer flachen
Gegendruckplatte (Tiegel) mit großer Kraft auf eine flache Druckformplatte
gedrückt. Hierbei wird die Farbe übertragen.
Beim Prinzip rund gegen flach erfolgt der Anpressdruck auf den Bedruckstoff
durch die Drehbewegung des Druckzylinders über der Druckform. Dabei dreht
sich der Zylinder festgelagert um seine Achse während die Druckform bei
jedem Druckvorgang synchron darunter hindurchbewegt wird (Druckabwicklung).
Hier funktioniert der Druckvorgang über Zylinder. Die runde Druckform
wird auf dem Druckzylinder befestigt. Der Bedruckstoff wird über den
Gegendruckzylinder entweder als Bogen oder Rolle an den Formzylinder
gepresst und somit bedruckt.
Das Prinzip rund gegen rund kann sowohl direkt als auch indirekt erfolgen.
Direkte Druckverfahren zeichnen sich dadurch aus, dass das Druckbild
direkt von der Druckform auf den Bedruckstoff gebracht wird. Beispiele für
ein direktes Druckverfahren (unabhängig vom Druckprinzip) sind der
Rakeltief- der Buch- und der Flexodruck.
Beim indirekten Druckverfahren wird das Druckbild zunächst auf einen
Zwischenträger angebracht. Dieser Zwischenträger ist flexibel und gibt die
Farbe an den Bedruckstoff ab. Beispiele für ein indirektes Druckverfahren sind
der Offset- und der Tampondruck.
Die einzeln Druckverfahren werden nach folgenden Gesichtspunkten unterschieden:
wie z.B. Flach-, Hoch-, Tief- und Durchdruck.
Nach diesem Merkmal werden die Druckverfahren auch in der DIN 16500 in die
Hauptdruckverfahren unterschieden :
Beim Hochdruck stehen die Bildstellen der Druckform höher als die
Nichtbildstellen. Die bekanntesten Verfahren im Hochdruck sind der Buch- und Flexodruck. Der Hochdruck ist das älteste Druckverfahren.
Die Merkmale
Sogenannte Quetschränder an den gedruckten Buchstaben sind typische Merkmale des Hochdrucks, da sich aufgrund des Druckes auf der Rückseite des Druckobjektes oft Vertiefungen (Reliefs) ergeben.
Das Druckbild beim Hochdruck ist sehr scharf so dass auch kleine Schriftgrade gut darstellbar sind. Es kann allenfalls die Farbverteilung vom Rand hinderlich werden.
Aus dieser Grundform des Hochdrucks entwickelten sich weitere Druckformen :
Das klassische Buchdruckverfahren ist ein Hochdruckverfahren. Heute werden Bücher jedoch aufgrund der teuren Druckplatten und der aufwändigen Einrichtung nicht mehr im Buchdruckverfahren sondern meist im Offsetdruck (für große Auflagen wie Zeitungen, Kataloge, etc.) oder im Tiefdruck gedruckt.
Letterset ist ein indirekter Hochdruck, bei welchem die Vorlage von
einem seitenrichtigen Klischee gedruckt wird.
Anwendung findet der indirekte Buchdruck in der Verpackungsindustrie und beim Endlosdruck.
Der Flexodruck ist ein neueres Druckverfahren, bei dem die Druckform aus
einer flexiblen Fotopolymermatte besteht.
Der Flexodruck findet heute hauptsächlich im Verpackungsbereich (Folien) Anwendung
Beim Tiefdruck liegen die Bildstellen der Druckform tiefer als die
Nichtbildstellen. Im Prinzip ist dies eine Umkehrung des Hochdruckverfahrens.
Die bekannteste Drucktechnik hier ist der Rotationsdruck.
Die Merkmale
Da das Papier bei den Ätzverfahren feucht sein muss, können bei den Rändern anstatt scharfer Kanten, Fransen entstehen (Sägezähne). Diese Rasterung entsteht aufgrund der Feuchtigkeit und der mechanischen Vertiefung der Druckplatten. Daher wird meist saugfähiges Papier mit satinierter Oberfläche verwendet. Kleine Schriften können unscharf wirken. Ansonsten zeichnet sich der Tiefdruck durch einen satten Farbton und gute Druckqualität aus. Auch Fotos wirken daher sehr farbecht.
Im Bereich des Tiefdruckes gibt es zwei wesentliche Verfahren :
Der Rotationsdruck ist eine besondere Form des Tiefdrucks. Hier basiert das Druckverfahren Rotationsdruck auf einer Metallplatte mit Vertiefungen (Näpfchen) in welche die Druckfarbe gefüllt wird. Das Druckobjekt wird mittels Stahlzylinder (Druckzylinder) gegen diese Platte gepresst.
Der Rotationstiefdruck als gewerbliche Anwendung und eine Anzahl künstlerischer Techniken, wie die Radierung, die Aquatinta, der Kupfer- und der Stahlstich. Der Rotationstiefdruck ist bei Massendrucksachen, Zeitschriften, Dekorfolien und in der Möbelindustrie und bei Tapeten in sehr hohen Auflagen wirtschaftlich. Den relativ hohen Kosten der Druckformen stehen geringe Kosten im Auflagendruck gegenüber. Eine besondere Bedeutung für den Dekordruck ist die Möglichkeit eines nahtlosen Endlosdruckes.
Im Gegensatz zum Rotationsdruck steht hier nicht die Geschwindigkeit, sondern die Druckqualität im Vordergrund. Hier lassen sich auch Leucht- oder Metallfarben – auch auf fertige Motive – drucken Der Bogentiefdruck spielt immer eine Rolle, wenn aufwändige oder besonders ansprechende Druckergebnisse in höherer Auflagenzahl benötigt werden.
Anwendung findet diese Druckform, aufgrund der präzisen Fertigung inkl. haptischer Ergebnisse auch bei Wertpapieren und im Banknotendruck.
Auch in der Kosmetik- oder Tabakindustrie werden besondere Verpackungen in dieser Art bedruckt.
Beim Flachdruck liegen die Bildstellen und Nichtbildstellen der Druckform
Annähernd auf einer Ebene. Die bekannteste Drucktechnik ist der Offsetdruck.
Die Merkmale
Das Prinzip des Flachdruckes basiert auf dem chemischen Gegensatz von Fett und Wasser. Während die druckenden Partien fettfreundlich sind, werden die nichtdruckenden Stellen mit einem Wasserfilm befeuchtet und stoßen die fettreiche Druckfarbe ab.
Zum Flachdruck zählen der Steindruck, der Offsetdruck, der Lichtdruck und der Polyfoliendruck.
Bis zum Jahre 1930 war der Steindruck eine häufig verwendete Drucktechnik wurde aber sukzessive vom Offsetdruck abgelöst und wird heute nur noch im künstlerischen Bereich eingesetzt.
Das Verfahren ist eine Weiterentwicklung des Steindrucks und beruht auf dem unterschiedlichen Benetzungsverhalten verschiedener Stoffe.
Der Lichtdruck (auch Phototypie, Collotypie oder Albertotypie) ist ein heute nur noch selten angewendetes Edeldruckverfahren.
Weltweit existieren nur noch drei Lichtdruckeren – Leipzig, Kyoto und Florenz.
Der Polyfoliendruck wird auch als „Trockener Druck“ bezeichnet, da hier nicht mit Farbe sondern mit Folien gedruckt wird. Die Folien sind mit Silberbromid beschichtet und werden durch Erwärmung auf den Bedruckstoff „gebrannt“.
Polyfolien enthalten oft holografische Effekte. Als Beispiele sind vor allem Sicherheitsfäden (Silberstreifen) auf Geldscheinen und Magnifikanzmarken auf EC-Karten, aber auch Sicherheitsmerkmale auf Konzertkarten zu nennen.
Beim Druckdruck besteht die Druckform aus einer Schablone auf einem
Farbdurchlässigen Schablonenträger (einem Sieb aus Kunststoff- oder
Metallfäden). Die Nichtbildstellen sind farbundurchlässig.
Die bekannteste Drucktechnik ist der Siebdruck.
Die Merkmale
Der Durchdruck ist ein sehr universelles und im Grundsatz sehr einfaches Druckverfahren. Anwendungsgebiete sind neben dem künstlerischen Einsatz (Serigrafie) noch der Werbe- und Textildruck.
Beim Durchdruck erfolgt der Farbauftrag durch Aussparungen in einem Sieb oder Textilgewebe das in einen Rahmen gespannt wird. Die Farbe wird mit einem Gummirakel gegen die Aussparungen gedrückt. Flächen die nicht bedruckt werden sollen sind abgedeckt und somit blockiert. Je nach Feinheit, Struktur und Elastizität des Gewebes erreicht man unterschiedlichen Farbauftrag.
Das Siebdruckverfahren ist ein Druckverfahren, das vor allem bei ansonsten schwierig zu bedruckenden Objekten zum Einsatz kommt. Aufgrund der vielen
Einsatzgebiete (etwa Holz, Glas, Keramik, Stoffe, Metall, etc.) variieren die Farben sehr stark. Dabei spielen die Haftungseigenschaften sowie die Trocknungszeiten eine wichtige Rolle. Es gibt für jede Anforderung spezielle Farben.
Der Anteil der einzelnen Druckverfahren zum Gesamtumsatz der Druckindustrie
in der EU (Stand: 2007) setzt sich wie folgt zusammen :
Weitere Druckverfahren
Es gibt noch zahlreiche andere Druckverfahren, die Sonderformen oder auch
Ableitungen der genannten Druckarten sind.